Die Burg Giebichenstein ist eine Burg auf etwa 87 m über NN in Ortslage des Stadtteils Giebichenstein der Stadt Halle in Sachsen-Anhalt. Sie ist Bestandteil der Straße der Romanik. Auf ihrem Gelände befindet sich ein Teil des Kunstcampus der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Das Gebiet um den Giebichenstein war Königsland. Im Jahr 961 schenkte König Otto I. den Gau Neletici mit seinem Hauptort an das Moritzkloster in Magdeburg, wobei Giebichenstein erstmals erwähnt wird: Netelici in qua est civitas quae Givicansten nuncupatur („Netelici, worin der Givicansten genannte Burgward liegt“). Eine andere Ausfertigung der Urkunde nennt urbem Giviconsten cum salsugine („die Stadt Giviconsten mit einer Saline“), wobei mit Stadt nur eine größere Siedlung bzw. der Burgwardhauptort gemeint war. Außerdem wurden die salzigen und süßen Gewässer sowie deutsche und slawische Bewohner dem Kloster übereignet, aus dem 968 das Erzbistum Magdeburg hervorgehen sollte. In dieser Urkunde ist von zwei verschiedenen Gauen Netelici die Rede, der eine mit dem Giebichenstein zieht sich östlich der Saale bis Radewell an die Elster, der andere besteht nur aus dem Umland von Wurzen. Beide waren das Siedlungsgebiet des sorbischen Stammes der Neletici. Im Burgward Giebichenstein lebten, wie die Schenkungsurkunde besagt, neben slawischen auch deutsche Bewohner. Die Wichtigkeit der an Salzquellen und einer Handelsstraße gelegenen Siedlung zeigt die Tatsache, dass Otto I. in Giebichenstein Urkunden ausstellte.
Die erste Burganlage in Giebichenstein bestand im 10. Jahrhundert an einem anderen Standort in der Nähe. Es kann nur vermutet werden, dass sie die Gestalt einer mit Palisaden verstärkten Wall- Grabenanlage ähnlich der Suuemeburg bei Wengelsdorf (10. Jh.) hatte. Der genaue Standort der Vorgängerburg ist nicht sicher geklärt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass sie sich auf der Bergkuppe östlich der heutigen Befestigung auf dem als Alte Burg oder Amtsgarten bezeichneten Gelände befand. Eine Erwähnung von castrum Givekenstein und die Nennung einer Burgkapelle im Jahr 1116 beziehen sich wohl noch auf diese Vorgängeranlage. Die seit Schultze-Galléra für die Alte Burg angenommene Vorbesiedlung (germanische Volksburg und fränkisches Kastell) konnte auf Basis neuer Befunde widerlegt werden. Archäologische Untersuchungen im Jahr 1999, bei denen das Gelände bis auf die ältesten Siedlungsschichten ergraben wurde, brachten nur intensive Siedlungsspuren der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit zutage, wogegen sich für eine Besiedlung oder Begehung des Giebichensteins in der römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit keinerlei Hinweise fanden. Die meist nur aufgrund der exponierten Lage oder auf Basis der Ortsnamenkunde vielfach postulierte Nutzung des Giebichensteins als germanische oder slawische Kultstätte konnte auch durch diese Untersuchung nicht belegt werden. Die heutige obere Burg Giebichenstein wurde erst im 12. und 13. Jahrhundert errichtet.
Für das junge Erzbistum Magdeburg hatte die Burg eine besondere Bedeutung, die sich heute nicht mehr zweifelsfrei erschließen lässt. So war sie Sterbe- bzw. Aufbahrungsort von drei Bischöfen, Bischof Adalberts 981, Bischof Taginos 1012 und im selben Jahr Bischof Walthards. Darüber hinaus diente der Giebichenstein dem König und späteren Kaiser Heinrich II. als Staatsgefängnis für Mitglieder des Hochadels. Unter den Inhaftierten befanden sich so bedeutende Personen wie Heinrich von Schweinfurt 1004, Ezelin von Este 1014–1018, Ernst von Schwaben 1027–1029 und Gottfried von Lothringen. Der Sage nach war auch der thüringische Landgraf Ludwig der Springer, Stammvater der Ludowinger auf dem Giebichenstein inhaftiert, historische Belege dafür sind jedoch nicht vorhanden.
Die Bedeutung der Burg wird auch durch die Anwesenheit von Heinrich IV. 1064 auf der Burg unterstrichen. Friedrich I. Barbarossa berief 1157 die Fürstenversammlung auf die Burg ein.

{{ reviewsOverall }} / 5 Users (0 votes)
Accessibility
Entertainment
Knowledge
What people say... Leave your rating
Order by:

Be the first to leave a review.

User Avatar User Avatar
Verified
{{{ review.rating_title }}}
{{{review.rating_comment | nl2br}}}

Show more
{{ pageNumber+1 }}
Leave your rating

Your browser does not support images upload. Please choose a modern one